26. Januar 2026
Außenwände ökologisch dämmen und sanieren: Wie funktionieren umweltfreundliche Alternativen zu Polystyrol?
Ökologisch sanieren bedeutet, das Haus mit umweltfreundlichen Baustoffen zu modernisieren. Die Ziele sind: Energie sparen, Ressourcen schonen und einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Doch wie sieht es bei der Dämmung der Außenwand bzw. der Fassadendämmung aus? Die ökologische Außenwanddämmung ist heute eine praxiserprobte Alternative zu herkömmlichen Dämmverfahren
Auch jenseits von Mineralwolle oder erdölbasiertem Polystyrol (Styropor), die als gepresste Platten oder als Blöcke an die Außenwand geklebt werden, existieren zahlreiche umweltschonende Alternativen zur Wärmedämmung der Außenwände. Für die Dämmung der Außenwand gibt es gut dämmende Stoffe aus nachwachsenden Materialien, die bauphysikalisch sinnvoll einsetzbar sind und auf umweltverträgliche Weise ebenso gute Ergebnisse bei der Senkung der Energiekosten erreichen. Ökologische Dämmstoffe schonen natürliche Ressourcen, weil sie keine fossilen Rohstoffe wie zum Beispiel Erdöl nutzen. Sie können umstandslos auch bei jedem Massivhaus aus Stein bzw. Mauerwerk eingesetzt werden. Uwe Siepmann erklärt die Best-Practices bei der ökologischen Außenwanddämmung.
Welche Vorteile hat eine ökologische Dämmung der Außenwand?
Neben den reduzierten Energiekosten durch die verbesserte Wärmedämmung der Außenwand hat eine ökologische Sanierung noch weitere Vorteile. Ökologisch sanierte Häuser steigern den Wert der Immobilie. Sie sind heute gefragt und können dementsprechend höhere Marktpreise bei einem späteren Verkauf der Immobilie erzielen. Zudem leistet der Bauherr durch die Senkung des CO2-Ausstoßes, der besonders durch die Herstellungsprozesse von herkömmlichen Baustoffen in die Höhe getrieben wird, einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. Auch der hervorragende sommerliche Hitzeschutz soll hier nicht unerwähnt bleiben, da dieser Aspekt schon heute immer relevanter wird. Darüber hinaus wird der Schallschutz und auch das Wohnraumklima durch eine ökologische Fassadendämmung deutlich verbessert.
Welche Fördermöglichkeiten gibt es für eine ökologische Sanierung der Außenwand?
Der Staat fördert Sanierungen zur Steigerung der Energieeffizienz mit vielen Programmen, z. B. über die KfW, das BAFA oder in Form von regionalen Zuschüssen. Diese Mittel decken oft einen großen Teil der Kosten und machen Sanierungen somit attraktiver. Die Förderungen gelten selbstverständlich auch für ökologische Sanierungsmaßnahmen. So können Bauherrn zum Beispiel Kredite mit Tilgungszuschüssen für die energetische Sanierung von Wohn- und Nichtwohngebäuden durch die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) oder direkte Zuschüsse für Einzelmaßnahmen erhalten, wie zur Dämmung von Fassaden oder zur Erneuerung von Fenstern und Türen. Zusätzlich gibt es Förderungen für Energieberatung und Fachplanung sowie möglicherweise Boni oder steuerliche Anreize.
Wie sieht eine ökologische Dämmung der Außenwand in der Praxis aus?
In der Regel wird auf die bestehende Außenwand ein Ständerwerk aus Hölzern – oft mit einer Stärke von 16 oder 18 cm – als Unterkonstruktion befestigt. Durch die Ausrichtung der Hölzer können bereits Unebenheiten der bestehenden Wand ausgeglichen werden, da viele ältere Gebäude Außenwände aufweisen, die leicht aus dem Lot sind. Auf die Hölzer lässt sich anschließend eine Holzweichfaserplatte montieren, die sich bereits direkt als Putzträgerplatte verwenden lässt. Zwischen der Holzweichfaserplatte und dem vorhandenen Mauerwerk entsteht durch die Unterkonstruktion ein Zwischenraum, der mit einer Einblasdämmung aus Zellulose gefüllt werden kann. Zellulose ist nachhaltig, da sie aus recyceltem Zeitungspapier hergestellt wird. Auf diese Weise wird eine isolierende Dämmebene geschafften. Alternativ könnte der Zwischenraum auch mit Mineralwolle gefüllt werden. Dies wäre jedoch weniger ökologisch, da bei der energieintensiven Herstellung bei extrem hohen Temperaturen Altglas eingeschmolzen wird.
Kann auch eine hinterlüftete Fassade mit ökologischen Materialien geschaffen werden?
Wünscht der Bauherr eine hinterlüftete Fassade, kann auf die oben angesprochene Holzweichfaserplatte eine zusätzliche Lattung befestigt werden, auf die im Anschluss ein Fassadenmaterial angebracht werden kann. Der Abstand zwischen Lattung und Fassade dient als Hinterlüftungsebene. Die Hinterlüftung sorgt für die Abtrocknung der Wand und schützt somit vor Feuchtigkeit. Falls das Haus im Anschluss verputzt werden soll, kann auf diese zweite Lattung eine Putzträgerplatte angebracht werden. Eine horizontale Holzfassade ließe sich sogar ohne Putzträgerplatte direkt an die Lattung montieren. Es kommt hier auf den Geschmack und auf die Wünsche der Bauherren an. Bei einem solchen Aufbau spricht man auch von Vorhangfassade, weil die Dämmebene von der davorliegenden Wetterschutzschicht getrennt ist.
Welche ökologischen Baustoffe kommen bei einer Außenwanddämmung außerdem in Betracht?
Ich würde immer ein hohlraumfüllendes Dämmverfahren wie die Einblasdämmung empfehlen, wahlweise als Zellulose- oder als Holzfaser-Einblasdämmung. Wenn man hingegen nur Holzfaserplatten als Dämmmaterial verwendet, erhöht sich die Gefahr der Hinterströmung der Dämmschicht. Das bedeutet, dass zwischen einem unebenen Außenmauerwerk und der Dämmung Luft durchströmen kann, die dann die Dämmwirkung mindern kann. Da sich die recht steifen Holzfaserplatten nicht hundertprozentig an das unebene Mauerwerk anschmiegen können, besteht die Gefahr der Hohlraumbildung und in der Folge dann der Hinterströmung.
Darüber hinaus sollte der Baustoff regional verfügbar sein, um lange Transportwege zu vermeiden. Die Transportwege haben wiederum Auswirkungen auf die Klimabilanz bzw. die CO2-Bilanz des Materials. Kork stammt beispielsweise aus dem Mittelmeerraum oder aus Nordafrika. Und solange bei uns noch keine Kokosnüsse wachsen, ist auch eine Kokosfaserdämmung keine wirklich ökologische Option. Eine Strohdämmung wäre hingegen für die Dämmung der Außenwand eine regionale und nachhaltige Variante, die aber etwas aufwendiger in der Verarbeitung ist.
Bilder: Isocell GmbH & Co KG