1. März 2026

Altbau sanieren mit ökologischen Baustoffen 

Mit Blick auf ein umweltbewusstes und gesundes Wohnen ist der Einsatz von nachhaltigen und ökologischen Baustoffen bei Sanierungen im Altbau eine gute Wahl. Die bewusste Entscheidung für langlebige, nachwachsende, schadstoffarme und entsorgungsfreundliche Baustoffe verbessert das Wohnklima und letztlich auch die Lebensqualität. 

Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, ihre Häuser mit ökologischen Materialien zu renovieren oder zu sanieren, um nicht nur die Energiekosten zu senken, sondern auch die Umwelt zu schonen und das Wohnraumklima nachhaltig zu verbessern. Eine möglichst schadstofffreie Gestaltung des eigenen Zuhauses verbessert nicht nur das Wohlbefinden, es schützt auch das Klima und steigert den Wert der Immobilie im Hinblick auf einen möglichen Wiederverkauf. Naturmaterialien bieten die beste Garantie für ein gesundes Wohnklima und sorgen gleichzeitig für eine geringe Belastung der Umwelt.

Zustand des Gebäudes vor der Sanierung prüfen

Bauherren, die ihr Haus sanieren möchten oder Käufer sanierungsbedürftiger Bestandsgebäude verbinden den Wunsch nach Energieeffizienz inzwischen häufig mit dem Anliegen, das Sanierungsvorhaben möglichst ökologisch zu gestalten. Gerade beim Erwerb älterer Immobilien, die zwischen den 1950er und 1990er Jahren erbaut wurden, sollte zudem auf Wohngifte bzw. gesundheitsschädliche Baustoffe wie Asbest, Formaldehyd, PCB oder DDT sowie auf eine Schimmelbelastung geachtet werden. Diese Stoffe können in Weichmachern von Bodenbelägen und Teppichen, in alten Dach- oder Wandverkleidungen, Dichtungsmassen, Dämmmaterialien und Fassadenplatten sowie in verwendeten Farben und Lacken lauern und belasten die Innenluft eines Gebäudes. Bei Verdacht auf eine Schadstoffbelastung sollten zunächst die Schadstoffquellen durch Fachleute ermittelt werden, um eine gezielte Sanierung des Altbaus zu ermöglichen. Im Anschluss müssen solche Stoffe fachgerecht entfernt und entsorgt werden. Diese Arbeiten sind unbedingt einem zertifizierten Fachbetrieb zu überlassen. Auf keinen Fall ist es ratsam, einfach mal drauflos zu sägen, denn die mikroskopisch kleinen Asbestfasern werden meist erst durch Beschädigung des Materials freigesetzt. Wurde der zu sanierende Bestandsbau erst Mitte der 1990er Jahre erbaut, ist die Wahrscheinlichkeit einer Asbestbelastung erheblich geringer, da in Deutschland seit dem 31. Oktober 1993 die Herstellung, das Inverkehrbringen und die Verwendung von Asbest und asbesthaltigen Produkten verboten sind.

Bestandsanalyse vor Sanierungsbeginn

Vor einer Altbausanierung ist eine Bestandsanalyse durch einen Gutachter oder durch einen Baubiologen nicht nur bei Verdacht auf Schadstoffbelastungen sinnvoll, sondern auch um Feuchteschäden, Hausschwamm oder andere Bauschäden frühzeitig zu identifizieren und um Klarheit über die Priorisierung der Sanierungsmaßnahmen zu erhalten. Für die Reihenfolge der Sanierungsarbeiten im Altbau gibt es eine goldene Regel: von außen nach innen. Zuerst wird also das Dach saniert, dann die Fassade und die Fenster, anschließend die Heizungsanlage und die Sanitärbereiche und zuletzt die Innenräume.

In der Praxis ist selbstverständlich nicht immer eine umfangreiche Kernsanierung des Altbaus erforderlich. Wenn die Bausubstanz es zulässt, sind oft nur energetische oder kosmetische Verbesserungen in ausgewählten Bereichen des Gebäudes notwendig. Ebenso richtet sich die Art und Anzahl der Sanierungsmaßnahmen nach dem verfügbaren Budget für die Altbausanierung. Die Sinnhaftigkeit eines Sanierungsvorhabens hängt stets auch von einer Abwägung zwischen Kosten, Energieeffizienz, Erhaltungszustand und persönlichem Nutzen ab. Vorab sollten die Sanierungskosten den erwarteten Einsparungen beim Heizenergiebedarf, der Wertsteigerung und der Steigerung der Aufenthaltsqualität gegenübergestellt werden.

Ökologische Baustoffe für die Altbausanierung: umweltschonend, hygroskopisch und diffusionsoffen

Der Einsatz ökologischer Baustoffe zielt darauf ab, langfristig Ressourcen zu schonen, Emissionen zu vermeiden und die Umweltauswirkungen von Gebäuden insgesamt zu minimieren. Ökologische Baustoffe reduzieren die Belastung der Umwelt – von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung und Nutzung bis hin zur Entsorgung oder Wiederverwertung des Materials.

Zudem zeichnen sich die meisten ökologischen Baustoffe noch durch eine spezielle Eigenschaft aus. Sie sind hygroskopisch, was bedeutet, dass sie Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen und speichern können. Auf diese Weise regulieren ökologische Baustoffe das Raumklima und tragen zur Verhinderung von Schimmelbildung bei. Diese Eigenschaft wird auch als Sorptionsfähigkeit eines Baustoffes bezeichnet. Eng verwandtdamit ist derBegriff der Diffusionsoffenheit, der die Wasserdampfdurchlässigkeit, also den Feuchtetransport beschreibt. Nicht jeder diffusionsoffene Baustoff ist jedoch zwangsläufig hygroskopisch.So lässt beispielsweise Mineralwolle zwar Dampf passieren, kann aber keine Feuchtigkeit speichern. Auf den Punkt gebracht:Diffusionsoffenheit reguliert den Feuchtetransport, während Hygroskopie die Speicherung der Feuchtigkeit beschreibt. Ökologische Baustoffe vereinen meist beide Eigenschaften und tragen so zu einer deutlichen Verbesserung des Wohnraumklimas bei. Das macht ökologische Materialien für das Thema Wohngesundheit so wertvoll: Sie gleichen jahreszeitlich und nutzungsbedingte Feuchteschwankungen im Wohnraum aktiv aus, beugen Schimmelpilzbefall vor und gewährleisten ganzjährig ein gesundes Raumklima.

Welche Raumluftfeuchte ist ideal?

Hygroskopische Baustoffe halten die Raumluftfeuchte bei einer durchschnittlichen Innenraumtemperatur von 18 bis 22 °C im Idealbereich von 40 bis 60 Prozent. Diese Werte sind aus gesundheitlicher Sicht im Wohnbereich optimal. Bei einer dauerhaften Raumluftfeuchte von über 65 Prozent kann es an kalten Oberflächen zur Schimmelbildung kommen. Bei dauerhaft trockener Luft mit einer Raumluftfeuchte von unter 40 Prozent besteht hingegen die Möglichkeit, dass es zu Reizungen der Schleimhäute kommt. Dies kann zu Atemwegsproblemen, Augenbrennen oder einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen führen.

Zwar verbessern ökologische Baustoffe aktiv das Wohnraumklima, regelmäßiges Lüften ist in sanierten Gebäuden aber trotzdem ratsam, denn meist wird durch Sanierungsmaßnahmen die Gebäudehülle dichter als zuvor. Eine ausgewogene Raumlüftung durch regelmäßiges manuelles Lüften oder mechanische Anlagen (Fensterfalzlüfter oder Lüftungsanlage) wird dadurch nicht ersetzt, die erforderliche Luftwechselrate kann jedoch reduziert werden.

Diffusionsoffener Lehmputz im Wohnraum
Diffusionsoffener Lehmputz im Wohnraum

Wo kommen ökologische Baustoffe bei der Altbausanierung zum Einsatz?

Bei der Sanierung eines Altbaus können an vielen Stellen ökologische Naturbaustoffe verwendet werden. Aus bauphysikalischer Sicht ist es wichtig, möglichst passende Materialien zum vorhandenen Bestand zu wählen. Daher sind im Altbau insbesondere hygroskopische Baustoffe zu bevorzugen, die sich nicht nur durch ihre Kombinationsfähigkeit, sondern auch durch ihre positive Ökobilanz auszeichnen.

  • Innendämmung von Außenwänden im Denkmalschutz: Bei denkmalgeschützten Gebäuden, die keine Außendämmung zulassen, ist eine Innendämmung mit diffusionsoffenen, kapillaraktiven Materialien, wie beispielsweise Holzfaserplatten oder Lehm, möglich. Bei der Sanierung von Fachwerkhäusern sind daher wahlweise Leichtlehmsteine, Holzleichtlehm und Holzbaustoffe wie Holzweichfaserplatten zu empfehlen. Diese konservieren das historische Holz und schaffen ein gesundes, ausgeglichenes Raumklima. Eine Innenwanddämmung sollte jedoch nur dann ausgeführt werden, wenn keine Möglichkeit zur Außenwanddämmung besteht, da eine unsachgemäße Ausführung erhebliche Risiken birgt. Dazu zählt beispielsweise die Schimmelbildung zwischen Dämmung und Außenwand, die über Jahre hinweg unentdeckt bleiben kann.
    https://www.oekobauberatung.de/fachwerksanierung-zukunftsfit-fuer-kommende-generationen/
  • Außendämmung der Wand, nachträgliche Dachdämmung oder Dämmung der obersten Geschossdecke: Im Altbau kommen besonders hohlraumfüllende Dämmverfahren in Betracht. Dazu zählen ökologische Materialien wie Zellulose oder Holzfaser, die nachhaltig und gesundheitlich unbedenklich sind. Sie werden in Flockenform in die Hohlräume eingeblasen. Dabei wird eine hervorragende Wärmeisolierung mit einer Verhinderung von Hohlraumbildungen kombiniert. Durch die Flocken wird eine Hinterströmung mit Luft verhindert, die die Dämmwirkung mindern könnte. Unterbrechungen in der Wärmedämmung bzw. ein Luftstrom durch die Dämmung können sehr viel Wärme abtransportieren. https://www.oekobauberatung.de/aussenwaende-oekologisch-daemmen/
  • Fenster: Fenster zählen meist zu den Schwachstellen bei Altbauten. Für die Verbesserung der Energieeffizienz lohnt in der Regel ein Austausch der Fenster. Ob eine Doppel- oder Dreifachverglasung gewählt werden kann, hängt vom Zustand der übrigen Gebäudehülle ab. Wenn die Fassade beispielsweise nicht gedämmt ist, ist eine Zweifachverglasung oft die bessere Wahl. Sind die Fenster im Vergleich zur Wand zu dicht – Stichwort Dreifachverglasung – wird die Wand zur kältesten Stelle im Raum. Die Feuchtigkeit kondensiert dann nicht mehr an den Fenstern, sondern an der Innenwand, was zu Schimmel führen kann. Der Wärmedämmwert der Fenster sollte daher geringer sein als jener der Wand.Soll die Fassade ebenfalls gedämmt werden, wäre dies als Arbeitsschritt vor dem Fenstertausch empfehlenswert. Wichtig beim Fenstertausch ist daher, den Luftaustausch und die gesamte Dämmung des Hauses im Blick zu behalten. Als ökologische Alternative zum Kunststofffenster kommen Holzfenster in Betracht: Sie bieten eine hervorragende Wärmeisolierung, sind aus einem nachhaltigen Baustoff gefertigt und geben Wohnräumen eine warme Atmosphäre.
  • Holz und Holzwerkstoffe: Bei einer Sanierung ist Holz ein zentraler Baustoff, der sowohl in tragenden Konstruktionen als auch im Ausbau zum Einsatz kommt. Holz ist sehr belastbar, wärmedämmend, hygroskopisch und vielseitig einsetzbar. Als nachwachsender und CO2-bindender Naturbaustoff ist Holz regional verfügbar und nach seiner Nutzung vielseitig wiederverwendbar. Zudem werden Holzprodukte ohne großen Energieaufwand hergestellt. In Innenräumen trägt Holz zu einem sehr behaglichen Wohnklima bei.
  • Innenräume: Ökologische Baustoffe sorgen in den Innenräumen für ein gesundes Raumklima. Kalk- oder Lehmputz sind Naturputze, die aufgrund ihrer Porenstruktur zugleich diffusionsoffen und stark hygroskopisch sind. Sie regulieren nicht nur die Feuchtigkeit, sondern neutralisieren zudem Gerüche. Aufgrund seiner hohen Alkalität ist Kalkputz besonders schimmelresistent und eignet sich daher hervorragend für Feuchträume wie Badezimmer und Keller. Lehmputz ist ein hervorragender Wärmespeicher und Feuchteregulierer und kommt idealerweise in Wohn- und Schlafräumen zum Einsatz. 
  • Farben: Auch im Bereich der Farben gibt es ökologische Alternativen. Diese zeichnen sich durch natürliche Inhaltsstoffe, Schadstofffreiheit und Diffusionsoffenheit aus. Für den Außenbereich der Fassade sind Silikatfarben geeignet. Sie besitzen eine ausgezeichnete Deckkraft und sind gegenüber Umwelteinflüssen wie Regen, Schmutz und UV-Strahlung sehr beständig. Im Innenbereich sind Farben auf mineralischer Basis bzw. Kalkfarben ideal, um ein wohngesundes Raumklima zu schaffen, da sie diffusionsoffen und schimmelhemmend sind.
  • Bodenbeläge: Massivholzböden oder Echtholzparkett zählen ebenso wie Korkböden oder Teppichböden aus Naturtextilien zu den umweltfreundlichen und wohngesunden Bodenbelägen. Auch Linoleum ist ein schadstoffarmes und nachhaltiges Naturmaterial, da es überwiegend aus Leinöl und Naturharzen hergestellt wird. 

Orientierungshilfen bei der Auswahl ökologischer Baustoffe

Bei der Auswahl von umweltfreundlichen Baustoffen geben Öko-Siegel eine erste Orientierung. Gängige Labels in diesem Bereich sind beispielsweise Naturplus, das Sentinel-Haus-Institut, das Eco-Institut, das C2C-Label, der Blaue Engel, FSC oder PEFC. Wie bei Lebensmitteln werden jedoch für die Siegel jeweils unterschiedliche Kriterien herangezogen. Mal überwiegen die gesundheitlichen Aspekte, mal die Umweltbilanz und Nachhaltigkeitsaspekte, und manchmal wird auch der gesamte Lebenszyklus eines Produkts bewertet.

Förderungen bei der Altbausanierung

Wer ein bestehendes Haus sanieren möchte oder eine alte Immobilie erworben hat und diese modernisieren will, kann staatliche Fördermittel erhalten. Mit dem KfW-Programm „Wohngebäude – Kredit Nr. 261” unterstützt die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) die Komplettsanierung eines Altbaus zum Effizienzhaus.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle, wie die Dämmung der Außenwände, Dachflächen, Geschossdecken und Bodenflächen, die Erneuerung bzw. Aufbereitung von Vorhangfassaden, den erstmaligen Einbau oder Ersatz von Fenstern, Außentüren und -toren sowie den Einbau bzw. Ersatz von außenliegenden Sonnenschutzeinrichtungen mit optimierter Tageslichtversorgung als sommerlichen Wärmeschutz. Das BAFA ist auch für die Förderung von Anlagentechnik, beispielsweise Heizungstechnik, zuständig.

Gewerkeübergreifende Baubegleitung

Da bei einer Altbausanierung in der Regel viele verschiedene Gewerke beteiligt sind, ist es wichtig, das große Ganze im Blick zu behalten. Zur strukturierten Abstimmung der einzelnen Ausbaugewerke dient dabei eine Schnittstellenkoordination. Durch die Überwachung der Schnittstellen wird ein reibungsloser Sanierungsablauf sichergestellt, die Qualität des Gesamtergebnisses gesteigert und Mängeln sowie Bauverzögerungen vorgebeugt. Dabei können Planungen, Gewerkeübergaben und Ausführungen geprüft und dokumentiert werden. Besonders wichtig ist es, Bauausführungen von Bauteilen zu prüfen, bei denen mehrere Bereiche ineinandergreifen. 

Um Wärmebrücken zu vermeiden, ist beispielsweise bei der Fenstermontage besondere Sorgfalt erforderlich. Insbesondere bei Altbauten ist dabei immer eine ganzheitliche Betrachtung sinnvoll. Änderungen an der Gebäudehülle, wie der Einbau neuer Fenster, wirken sich immer auf die gesamte Belüftung des Gebäudes aus. In der Regel sind beim Fenstertausch drei Gewerke im Spiel: der Fensterbauer, ein Maurer oder Zimmerer und der Maler. Es gibt also drei Schnittstellen. Beim Einbau der Fenster muss die Dichtigkeit des gesamten Wärmedämmsystems im Fensterbereich inklusive aller relevanten Anschlüsse beachtet werden. Um einen optimalen Wärmeschutz zu erreichen, muss die Fuge zwischen Wand und Fenster nicht nur luftdicht sein, sondern auch in die Wärmedämmung eingebunden werden. Zu diesem Zweck ist es erforderlich, die Fensterlaibung ebenfalls zu dämmen. Der Dämmstoff sollte die Einbaufuge bzw. Fensteranschlussfuge des Wandanschlusses, die zwischen Blendrahmen und Mauerwerk liegt, um mehrere Zentimeter überdecken. Erst auf diese Weise entsteht ein wind- und schlagregendichter wie auch luftdichter und wärmegedämmter Fensteranschluss.

Das Beispiel des Fensteranschlusses zeigt, was eine gewerkeübergreifende Baubegleitung für den Erfolg einer Altbausanierung leisten kann. Erst durch die sorgfältige Abstimmung aller Beteiligten und die konsequente Kontrolle der Schnittstellen entsteht ein dauerhaft funktionierendes, energieeffizientes und schadensfreies Gesamtsystem, das sowohl den baulichen Bestand schützt als auch den Wohnkomfort nachhaltig verbessert.

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